Vorsicht bei "Mer stelle alles op der Kopp"!

Karnevalsknigge für Mitarbeiter und Führungskräfte

Auch im Karneval sollte man es nicht übertreiben und sich an die Spielregeln halten, das rät der Berufsverband Die Führungskräfte-DFK. Zwar mögen einige Jecken glauben, dass in der Zeit zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch die Regeln des Arbeitsverhältnisses außer Kraft gesetzt sind, Narrenfreiheit während der tollen Tage gibt es aber im Büro nicht. Oliver Flesch, DFK-Rechtsanwalt, hat einen Fünf-Punkte-Plan für die fünfte Jahreszeit erstellt.

Karneval

1. Urlaub
Die klassischen Karnevalstage sind ganz normale Arbeitstage und keine gesetzlichen Feiertage. Dies bedeutet: Wer feiern will, muss Urlaub nehmen. Eine Selbstbeurlaubung kennt das deutsche Urlaubsrecht nicht. Wer das missachtet und ohne Zustimmung des Arbeitgebers seinen Arbeitsplatz verlässt, zu Hause bleibt oder grundlos “krank feiert”, muss mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung rechnen.

Einige Unternehmen gewähren ihren Arbeitnehmern z. B. am Rosenmontag einen freien Tag. In der Regel handelt es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Wenn jedoch der Arbeitgeber in der Vergangenheit solche Tage regelmäßig von der Arbeitspflicht ausgenommen und nicht klargestellt hat, dass er das freiwillig tut, kann nach den Grundsätzen der so genannten betrieblichen Übung auch für die Zukunft ein Anspruch auf den freien Tag für die Arbeitnehmer entstehen.

Arbeitgeber, die das vermeiden wollen, werden z. B. folgende Formulierung wählen: “In diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, den Betrieb an Rosenmontag (eventuell mit zeitlicher Einschränkung ab 12:00 Uhr) zu schließen. Für das kommende Jahr behalten wir uns eine andere Entscheidung ausdrücklich vor.”

2. Kostüme am Arbeitsplatz
Auch wenn an den tollen Tagen die Zahl der Superhelden im Büro steigt, gibt es keinen generellen Anspruch auf Verkleidung zu Karneval.

Das Bundesarbeitsgericht hatte in einer allgemeinen Entscheidung zu Bekleidungsvorschriften bereits ausgeführt, dass ein Arbeitgeber von seinen Arbeitnehmern mit Kundenkontakt erwarten kann, sich dem Charakter des Handelsgeschäfts und dessen Kundenstamm entsprechend branchenüblich zu kleiden. Eine solche Pflicht kann durch eine Weisung des Arbeitgebers begründet werden. So möchte ein Bankkunde über seine Geldanlage sicher nicht von einem Piraten oder der Biene Maja beraten werden. Etwaige Verkleidungen sollten vorher zwischen Unternehmensleitung und Mitarbeitern abgestimmt werden. Ist im Betrieb Schutzkleidung vorgeschrieben, kann diese auch nicht mit dem Clownskostüm getauscht werden.

3. Karnevalsbräuche
Vorsicht ist außerdem geboten bei manch typischem Karnevalsbrauch. So ist etwa das Abschneiden der Krawatte eines Arbeitnehmers durch eine Kollegin nur dann erlaubt, wenn das Opfer einverstanden ist. Zwar kann sich ein solches Einverständnis aus den Umständen ergeben, jedoch existieren bereits gerichtliche Entscheidungen, in denen Karnevalisten wegen des Abschneidens einer Krawatte zur Zahlung von Schadenersatz verurteilt wurden oder Abmahnungen riskieren. Trotzdem sollte man als Mann an Weiberfastnacht besser nicht seine Lieblingskrawatte tragen.

Auch das Hören von Karnevalsmusik gegen die ausdrückliche Anweisung des Vorgesetzten sollte vermieden werden.

Karneval

4. Alkohol am Arbeitsplatz
Beim Alkoholkonsum ist zu beachten, dass alle Arbeitnehmer die Pflicht haben, ihre Leistungsfähigkeit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht durch Alkoholkonsum zu beeinträchtigen. Ob während der Arbeitszeit Promilleträchtiges getrunken werden darf, legt der Vorgesetzte fest. Auch Alkoholverbote können verhängt werden, wobei bei der Existenz eines Betriebsrates dieser zu beteiligen ist.

5. Bützje und anzügliche Witze
In Karnevalshochburgen ist ein Bützje ein Küsschen von Frauen auf die Wange von Männern. Als Mann sollte man ein solches Bützje nicht fehlinterpretieren und sofort als Aufforderung zu mehr sehen. Die Betriebsfeier ist nicht geeignet, sich gehen zu lassen und gerade Führungskräfte sollten sich zurückhalten. Denn als sexuelle Belästigung sind nach § 3 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) z. B. alle unerwünschten sexuellen Handlungen wie Begrabschen, Bemerkungen sexuellen Inhalts, anzügliche Witze sowie bestimmte körperliche Berührungen anzusehen. So hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass eine sexuelle Belästigung nach § 3 AGG eine Verletzung vertraglicher Pflichten darstellt und als wichtiger Grund für eine außerordentliche Kündigung herangezogen werden kann (abhängig von Umfang und Intensität). Vielen Arbeitgebern und Führungskräften ist nicht bewusst, dass sie bezüglich der Vermeidung von sexuellen Belästigungen gesetzlich verpflichtet sind, solche Verhaltensweisen von Beschäftigten zu unterbinden und zu sanktionieren (Abmahnung, Umsetzung, Versetzung, Kündigung).

Fazit:
Karneval setzt das Arbeitsrecht nicht außer Kraft. Wenn Sie als Führungskraft jegliche Karnevalsaktivitäten unterbinden, kann dies die Mitarbeitermotivation beeinträchtigen. Sprechen sie daher etwaige Rahmenbedingungen vorher ab.

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